100 Jahre Schule Bürgel

Viele Gratulanten kamen zum großen Jubiläum

So viele Besucher hatte die Schule Bürgel schon lange nicht gesehen, die Sporthalle platzte schier aus den Nähten. Zur Festveranstaltung wurde allen ein sehr abwechslungsreiches Programm geboten. Glockenschläge läuteten den Beginn der Festsitzung ein und 11 Schüler ließen die letzten 100 Jahre im Schnelldurchlauf Revue passieren. Unter den Gratulanten waren der Landrat Herr Heller, der in einer kurzen Rede den Lehrern und Schülern weiterhin viel Erfolg in der Bildungsarbeit wünschte, die Funken des Bürgler Faschingsvereins ( fast alle Tänzerinnen waren Schüler an der Bürgler Schule), die mit einem mitreißenden Tanz aufwarteten, die Trommlerguppe des Förderzentrums Hainspitz, die wie gewohnt mit ihren Rhythmen das Publikum gegeisterte. Besonderen Dank gilt den kleinsten Gratulanten aus dem Montessori - Kindergarten Sausewind und aus der Grundschule Thalbürgel, die bis zum Ende des Programms geduldig warten, ehe sie sich mit Liedern, Tänzen und kleinen Sketchen präsentieren konnten. Für all diese gelungenen Geburtstagsgeschenke möchten wir Lehrer und Schüler der TGS Bürgel uns recht herzlich bedanken.

Außerdem möchten wir uns bei allen Helfern und Unterstützern des Fests bedanken:

  • beim Feuerwehrverein, der für leckere Erbsensuppe und Bratwürsten frisch vom Rost sorgte,
  • bei den Funken des Bürgler Faschingvereins für die mitreißende Tanzeinlage,
  • bei Herrn Gärtner, der kurzfristig einsprang, um unsere Songgruppe zu begleiten,
  • bei den Kindergärtnerinnen des Montessori-Kindergartens Sausewind und den Lehrern der Grundschule Thalbürgel für die Einstudierung und Aufführung liebevoll gestalteter Programme,
  • bei der Trommlergruppe des Förderzentrums Hainspitz für die starken Rhythmen,
  • bei unseren Sponsoren Volksbank Eisenberg, Eiscafé Hesse, Physiotherapie Sandra Walther, Firma Dieter Kellner, Firma Matthias Ratzel, Firma Rainer Schmidt und Firma Hartmut Kämnitz, die mit Geldspenden die materielle Seite unseres Festes unterstützten,
  • bei den Eltern und Großeltern, die den Transport ihrer Kinder übernahmen bzw. fleißig Kuchen backten,
  • bei den Angehörigen von uns Lehrern, die unsere Projekte und Vorhaben mit unterstützten.

 

OTZ - Zeitungsartikel zu Zeitzeugen

In den Ferien zur Kartoffelernte

Zum 100. Geburtstag der Schule in Bürgel kramen Zeitzeugen in ihren Erinnerungen. Eine Geschichte von kurzen Hosen und langen Strümpfen, einer Backpfeife vom Lehrer und Schönschrift auf dem Stundenplan.

Von Susann Grunert 

Bürgel. Als Johannes Waldstädt 1942 in Bürgel eingeschult wurde, musste man sich um Schülerzahlen noch keine Gedanken machen. »Die Klassen waren voll«, erinnert er sich und zeigt zum Beweis ein altes Klassenfoto. In Reih und Glied saßen damals Mädchen und Jungen noch getrennt im Unterricht. »Kurze Hosen, Strickjacke, im Winter lange Strümpfe und Strumpfbänder, die immer furchtbar gekrabbelt haben.« So sah die »Schuluniform« vor 70 Jahren aus. Aus ihren Erinnerungen erzählten Johannes Waldstädt und Friedrich Sattler am Mittwoch den heutigen Schülern aus Bürgel. Die »Zeitzeugen« waren Teil der Projektwoche, mit der sich die Schule auf ihren 100. Geburtstag am 8. Dezember vorbereitet. »1947 wurde die Schulspeisung eingeführt«, berichtete Johannes Waldstädt, der 1950 seinen Abschluss machte. »Für viele Kinder war das die einzige warme Mahlzeit am Tag.« Auf den rohen Holzbänken im Klassenzimmer habe man sich manchen Splitter eingezogen. Und war die Aufmerksamkeit nicht beim Rechnen und Lesen, gab es auch schon mal eine Backpfeife vom Lehrer. »Wie haben denn da ihre Eltern reagiert?«, wollte Lehrerin Sybille Schünemann wissen. »Denen habe ich das gar nicht erzählt, sonst hätte es von der Mutter gleich noch was hinterher gegeben«, erinnert sich Waldstädt schmunzelnd. Fast ein Jahr konnten die Schulkameraden Friedrich Sattler wurde 1943 eingeschult überhaupt nicht lernen. »Von Oktober 1944 bis November 1945 war die Schule ein Lazarett«, erzählte Sattler, »mit einem roten Kreuz auf dem Dach«. 
Ob es denn früher auch so viele Ferien gab, wollten die Schüler wissen. »Die Sommerferien waren sogar noch länger, acht Wochen«, antwortete Johannes Waldstädt. Müßiggang war den Jungen aber selten gegönnt. »In den Ferien wurden Kartoffeln geerntet oder Rüben verzogen«, meinte Friedrich Sattler. Auch bei der Getreideernte wurde geholfen. »Und hinterher gab es eine Scheibe Brot, mit Pflaumenmus oder Sirup, und eine Tasse Milchkaffee dazu«, erinnert er sich. 
Neben üblichen Fächern wie Chemie oder Biologie wurden die Schüler auch im Schönschreiben und der Handarbeit unterrichtet. »Wir haben gelernt, einen Knopf anzunähen und Strümpfe zu stopfen.« Noten gab es natürlich auch. »Dazu Kopfnoten für Betragen, Fleiß, Ordnung und Sauberkeit.« Wandertage führten nicht selten von Bürgel bis zu den Dornburger Schlössern. »Da würden mir heute einige zusammenbrechen«, meinte Sybille Schünemann lachend. 
»Wisst ihr, wie es in der Dorfschule war?«, schnitt Friedrich Sattler ein weiteres interessantes Thema an. Oftmals war nur ein Lehrer für die erste bis achte Klasse verantwortlich. »Wie hat denn das funktioniert?«, wollten die Lehrer wissen. »Die Kleinsten saßen vorne und während eine Gruppe eine Aufgabe hatte, wurde sich um die nächste gekümmert. Das ging nur mit Disziplin.« Auch wenn das Bildungsangebot damals viel ärmer war als heute, »aus uns allen ist etwas geworden«, meinte Johannes Waldstädt und gab den Schülern mit auf den Weg: »Nutzt eure Möglichkeiten, lernt nicht für die Schule, sondern für euch selbst.«

Quelle: OTZ vom 30.November 2012